Im Ergebnis  eines Gespräches haben Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern, der Industrie- und Handelskammern, der Vereinigung der Unternehmensverbände (VU) und der CDU-Fraktion  Maßnahmen zur Stärkung der Beruflichen Bildung beraten. Hierzu äußerte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Waldmüller:
 


„Aufgrund der Fachkräftebedarfe in unserem Land müssen wir Berufliche Bildung endlich auch als wirtschaftspolitisches Thema begreifen. Selten gab es in unserem Land so gute Chancen, um mittels einer Ausbildung Karrierewünsche zu verwirklichen. Diese hervorragenden Möglichkeiten müssen aber besser zur Geltung gebracht werden. So ist durchaus nicht jedem Schulabgänger bewusst, dass eine berufliche Ausbildung dank Zusatz- und Aufbauqualifikationen einer akademischen Ausbildung in ihrer Wertigkeit in nichts nachsteht. Wir wollen das Engagement für die berufliche Bildung verstärken. Etwa durch Evaluation und ggf. passgenaue Neuausrichtung der Berufsfrühorientierung, durch stärkere Fokussierung der Berufsschulen auf die Digitalisierung aber auch durch flankierende Maßnahmen wie Erleichterung von Fahrkostenzuschüssen oder der Einführung eines Azubitickets für den ÖPNV.“

Olaf Kirsch, Mitglied des Präsidiums der VU und Eigentümer des Garten- und Landschaftsbau-Unternehmens Olaf Kirsch ergänzte: „Damit der dualen Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern in Zukunft wieder stärker die Bedeutung zukommt, die sie verdient, müssen alle Seiten gemeinsam anpacken – damit das duale System zukunftsfest und attraktiv bleibt, wie jüngst im VU-Zukunftspakt vorgeschlagen. Die berufliche Bildung liegt uns sehr am Herzen. Zum einen als erfolgreicher Weg für junge Menschen in das Erwerbsleben und zum anderen als ebenso erfolgreicher Weg für uns als Arbeitgeber, um unseren Fachkräftenachwuchs zu sichern und damit wettbewerbsfähig zu sein.“
 
Maßnahmenkatalog `Fachkräfteoffensive Berufliche Bildung 4.0 in Mecklenburg-Vorpommern´
 
(1)   Kampagnen verbessern und Zielgruppen erweitern:
Bestehende Kampagnen für die berufliche Bildung in Mecklenburg-Vorpommern müssen unter enger Einbindung der Kammern und der Bundesagentur für Arbeit/Regionaldirektion Nord und weiterer relevanter Gruppen im Hinblick auf inhaltliche und organisatorische Untersetzung überprüft werden. Zwecks Breitenwirkung und Akzeptanz müssen weitere Partner wie z.B. relevante Verbände, eingebunden werden. Auch müssen die Zielgruppen für solche Kampagnen erweitert werden; Eltern und Lehrer etwa gilt es intensiver als bisher anzusprechen. Bei diesen Kampagnen müssen die sich aus der Digitalisierung ergebenden Karrieremöglichkeiten verstärkt berücksichtigt werden.
 
(2)   Digitalisierung annehmen und gestalten:
Digitalisierung muss gemeinsam mit den Sozialpartnern und Kammern als Lernmittel und Lerngegenstand in die Umsetzung der Rahmenlehrpläne für die Berufsschulen  integriert werden. Voraussetzung, diesen Prozess erfolgreich gestalten zu können, ist die Vermittlung von Medienkompetenz in den Schulen, die Ausbildungsreife ist zu stärken.
 
(3)   Berufsbildende Schulen stärken und in der Fläche sichern:
Die Berufsbildenden Schulen gilt es mit Blick auf die Digitalisierung hinsichtlich der technischen Ausstattung finanziell und inhaltlich besser zu unterstützen. Die Lehreraus- und -fortbildung darf in diesem Punkt nicht hinten anstehen. Zudem soll die Nutzung moderner Möglichkeiten der Werkstattausstattung in den Bildungsstätten  durch die Berufsschulen im Wege der Lernortkooperation gestärkt werden. Mittels einer Investitionsoffensive für die Beruflichen Schulen ist der Investitionsstau abzubauen.
Weitere Zentralisierungsbestrebungen in der Berufsschullandschaft sehen wir kritisch; mit dem Ziel der Schaffung stabiler Strukturen ist daher ein Landesentwicklungsplan „Berufliche Bildung und Berufsschule“ zu erarbeiten und umzusetzen. Hierbei sollte die Konkurrenz mit anderen Bundesländern in die Überlegungen integriert werden.
 
(4)   Mobile Angebote ermöglichen:
Federführend und im Dialog mit der Regionaldirektion Nord, den Kammern und relevanten Verbänden sollten die stationären Arbeitsbündnisse „Jugend-Beruf“ untersucht werden; um den Anforderungen des Flächenlandes Mecklenburg-Vorpommern gerecht zu werden, sind Angebote für mobile Jugendberufsagenturen aufzusetzen. Eine Anschubfinanzierung nach dem Beispiel Schleswig-Holsteins sollte geprüft werden.
 
(5)   Wahrnehmung der beruflichen Ausbildung stärken:
Die Umsetzung der Verwaltungsvorschrift „Berufs- und Studienorientierung an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen des Landes Mecklenburg-Vorpommern“ ist zu evaluieren. Berufliche und akademische Ausbildung sollen dabei gleichberechtigt und vorurteilsfrei berücksichtigt werden. Hierfür sind die Möglichkeiten der Berufsorientierung zu stärken. Gute Beispiele sollten bei der Evaluierung in besonderer Weise herausgehoben werden.
 
(6)   Rahmenbedingungen für Berufsschüler verbessern:
Der Mittelabruf bei den Fahrkostenzuschüssen für Berufsschüler ist unbefriedigend, rechtsunsicher und wird den Entwicklungen bei der Ausbildungsvergütung nicht gerecht. Daher müssen Kriterien, wie etwa die Länge des Arbeitsweges und Einkommens- und Kilometerbegrenzung, deutlich gelockert werden. Zudem sollten unbürokratische Landesregelungen für soziale Härtefälle und die Einführung eines Azubitickets überprüft werden. Als Vorbild für eine Anpassung sollte sich am Beispiel Baden-Württembergs orientiert werden.
 
(7)   Grundvoraussetzungen definieren und sicherstellen:
Die Ausbildungsreife ist zu stärken, die Einführung einer Azubi-Hilfe für angehende Auszubildende sollte geprüft werden (z.B. Mathematik und Soft Skills).
 
(8)   Hilfestellungen an Ausbildung anpassen:
Unterstützungsinstrumente für schwächere Jugendliche, die sich bereits in der Ausbildung befinden, sollten über assistierte Ausbildung und ausbildungsbegleitende Hilfen in der Anwendung im Hinblick auf die Herausforderungen des Flächenlandes optimiert werden (mobile Strukturen).
 
(9)   Integration verbessern – Sprachbarrieren abbauen:
Ausländische Jugendliche spielen eine zunehmende Rolle in der Ausbildung und Fachkräftesicherung und müssen daher stärker auf die Berufsausbildung vorbereitet werden (Sprache, Verständnis des Berufsbildes und der -kultur).
 
(10) Rahmenbedingungen für Berufsschullehrer verbessern:
Bis 2030 müssen ca. 80 Prozent der aktuellen Lehrkräftebedarfs an Berufsschulen ersetzt werden. Aktuell ist die Situation um Unterrichtsausfälle und fachfremde Vertretungen verschärft. Eine Intensivierung der Anstrengungen zur Akquise angehender Berufsschullehrerinnen und -lehrer ist dringend geboten. Die vorhandenen Zugangsmöglichkeiten sollten in Form einer Kampagne kommuniziert werden. Hierbei ist auch auf Zugangsmöglichkeiten für Quereinsteiger einzugehen.